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Junge Jury

 

Besonders aktive „Leseratten“ können Mitglied in unserem schuleigenen Leseclub Junge Jury werden. Eine Amtszeit von drei Jahren lang waren wir einer von sechs Leseclubs, die in der Bundesrepublik Deutschland vertreten sind (z.B. Moers, Göttingen, Landshut, Berlin). Wir sechs stellten die Bundesjugendjury, die als einzige Jury ausschließlich aus Kindern und Jugendlichen besteht und einmal jährlich den deutschen Jugendliteraturpreis an den Autor des „besten Buches des Jahres“ verleiht. Es liegt somit im Ermessen der Mitglieder der Leseclubs, den Geldpreis in Höhe von 8000,-- Euro (die finanzielle Unterstützung kommt vom Ministerium für Familie, Jugend und Senioren) an einen Autor auszuloben, auf den sie sich nach intensiver Lektüre und zahlreichen Gesprächen geeinigt haben. Die Mitglieder schulen außer ihrer Lesekompetenz auch ihre sozialen Fähigkeiten im Umgang miteinander, denn der Zeitraum von der Urteilsfindung des Einzelnen bis zur Preisverleihung durch die erarbeitete Einheit aller Leseclubs dauert etwa ein Jahr. Die Preisverleihung findet auf der Buchmesse in Frankfurt bzw. Leipzig statt, alle Mitglieder sind dabei. Unsere Junge Jury setzt sich aus Mitgliedern aus dem Gymnasial- sowie aus dem Real- und Hauptschulzweig zusammen, hier zeigt sich einmal mehr der freundschaftliche Umgang der Schülerinnen und Schüler unserer Schule.
Ein erfreulicher Nebeneffekt ist die Erweiterung unserer Schülerbücherei durch druckfrische Bücher, die die Verlage zunächst der Jungen Jury zur Verfügung stellen. Innerhalb eines Jahres kommen die Juroren - und inzwischen viele freiwillige Mitarbeiter aus der Schülerschaft - der Arbeit nach, die Bücher zu lesen und zu bewerten. Dies geschieht nicht nur mündlich, sondern auch schriftlich. Die Rezensionen wiederum werden an die Verlage geschickt, die auf diese Weise eine schnelle Rückmeldung erhalten, wie das Buch aufgenommen wird. Nach einem Jahr „Erprobungsphase“ wandern die Bücher, es handelt sich um bis zu 500 Stück, in die Schülerbücherei. Dort sind sie jederzeit allen zugänglich, die nur lesen, aber nicht unbedingt schreiben möchten.
Die Rezensionen gelangen nicht nur an die Verlage, sondern werden zudem in einem Jahrbuch zusammengefasst. Dieses erscheint im Herbst eines jeden Jahres und wird sehnsüchtig von den jugendlichen Autoren erwartet. Dort finden sie ihre Rezensionen gedruckt wieder und sie haben eine bleibende Erinnerung. Die Jahrbücher haben inzwischen sogar einen Sammlerwert. Die Verlage erhalten ein Exemplar als „Dankeschön“ für ihre Unterstützung; die Juroren überreichen den Repräsentanten ein Jahrbuch auf der Frankfurter Buchmesse.
Neben diesen Projekten fördern auch Arbeitsgemeinschaften die Lesefreude. Die AG „Wir lesen vor“ (vorm. „Kinder lesen Kindern vor“) wurde vor 2002 gegründet und veranlasst einmal wöchentlich Schülerinnen und Schüler von Klasse 5 bis 10 dazu, im Klinikum Bad Hersfeld den Patienten vorzulesen. Dabei handelt es sich nicht um ein einziges Buch, die Kinder zeigen vielmehr ihre Vielseitigkeit, indem sie den jüngeren Patienten aus Bilderbüchern oder Kinder- und Jugendbüchern vorlesen, den älteren Patienten wiederum kürzere Geschichten aus Anthologien. Bei den Büchern handelt es sich um Rezensions¬exemplare, die die Verlage den Vorlesern kostenlos zur Verfügung stellen, um dieses Projekt zu unterstützen. Die Bücher werden sorgfältig im Klinikum aufbewahrt, so dass sie nicht immer mitgebracht werden müssen.
Die Vorleser können bei ihrer Tätigkeit ihre Phantasie spielen lassen, zwischendurch auch selbst weitererzählen, aus ihrem eigenen Fundus Bücher mitbringen oder „Schätze“ aus der Stadtbücherei vorstellen. Ihrer Auswahl ist nur eine kleine, aber außerordentlich wichtige Grenze gesetzt: Die Bücher sollen den Kindern und auch den Senioren, denen sie vorgelesen werden, gefallen.
Viel Unterstützung erfahren die Vorleser von den Ärzten, dem Pflegepersonal und der Sozialpädagogin. Sie tragen dazu bei, dass die Hemmschwelle der Kinder und Jugendlichen niedriger wird und dass sie mit Optimismus auf einen zunächst fremden Menschen zugehen. Einmal in jedem Schuljahr bietet Dr. Axel Saure mit Unterstützung von Frau Renate Beyer-Hose eine „Kinder-Uni“ an: alle Vorleser werden zu Naschwerk und Getränken eingeladen, um eine Stunde lang alle Fragen zu stellen, die unter den Nägeln brennen. Jeder erhält eine kompetente Antwort und ist danach hochmotiviert, seine Vorlesearbeit fortzusetzen.
Einmal im Monat etwa wird die Vitrine dekoriert, die die Verwaltung des Klinikums der AG „Wir lesen vor“ zur Verfügung gestellt hat. Die Vorleser stellen besonders beliebte Bücher hinein und legen Rezensionen dazu, die auf farbigen Blättern gut lesbar sind. Genau so gehen sie - gemeinsam mit Mitgliedern der Jungen Jury - mit dem Schaukasten der Hoehlschen Buchhandlung um, der den lesebegeisterten Schülerinnen und Schülern stets freigehalten wird. Auch der Schaukasten in der Schule wird regelmäßig mit Rezensionen oder auch Veröffentlichungen aus der Hersfelder Zeitung bestückt. Etwa alle vier bis fünf Wochen erscheint dort eine ganze Seite mit Rezensionen der Kinder und Jugendlichen. Mehrere Bücher werden mit einigen Bewertungen vorgestellt, die manchmal kontrovers ausfallen. So kann sich der Leser ein differenziertes Bild von dem Buch machen.
Das Leselust Festival, das zusammen mit den Konrad-Duden-Singers veranstaltet wird, bildet ein Glanzlicht: In der Aula präsentieren die Mitglieder der Jungen Jury und viele Freiwillige ihre Lieblingsbücher, deren Handlung sie szenisch darstellen. Im Herbst wird unser schuleigener Preis „DUDO“ vergeben: das beste Jugendbuch des Jahres, das sich an jüngere Jugendliche richtet, aber auch das favorisierte Jugendbuch der älteren Jugendlichen werden ausgezeichnet. Der DUDO besteht aus dreißig identischen Holzstäbchen, die an den gleichen Stellen eingekerbt sind, so dass sie sich kunstvoll zusammenstecken lassen – ebenso kunstvoll, wie der Autor mit Wörtern umgeht. Unsere ersten Preisträger im Jahr 2007 waren Paul Dowswell für „Powdermonkey“ und Stephenie Meyer für „Bis(s) zum Morgengrauen“.





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