Baugeschichte der Konrad-Duden-Schule, vormals Alte Klosterschule
von Peter Imhof Der Schulkomplex mit der Hausnummer Neumarkt 33 in Bad Hersfeld hat sich in einer Zeit von über 400 Jahren entwickelt. In den Gebäuden des alten Franziskanerklosters von 1229 gründete 1570 der Stiftsabt Michael die Klosterschule. Bettelorden siedelten sich gerne in Randlage von Städten in der Nähe der Stadtmauer an. Vermutlich wurde das Kloster während der Reformationszeit bzw. im Bauernkrieg aufgegeben. Zwei Gewölbe im Keller des Mittelbaues haben die Zeiten überdauert. Unter dem heutigen (oberen) Pausenhof werden die Fundamente der Klosterkirche vermutet. 
Gewandfigur über dem Hofportal Wenn man heute vom Neumarkt her den Schulhof betritt, fällt zuerst der rote Mittelbau auf, welcher 1687 bis 1891 als zweigeschossig dreiflügeliger Bau errichtet worden ist. In diesem Gebäude sollen noch wesentliche Mauerwerksteile des Franziskanerklosters verwendet worden sein. 1855 wurde dem zuerst zweigeschossigen Gebäude ein weiteres Geschoss mit einem Glocken- und Uhrentürmchen aufgesetzt. Über dem Hofportal des Mittelbaues ist eine jugendliche weibliche Gewandfigur angebracht, die ein Buch in der rechten Hand hält. In der linken Hand soll sie früher ein Zaumzeug gehalten haben. Die Schrift "Doctrina et disciplina", d.h. "Unterricht und Erziehung", verweist auf diese Attribute. Außerdem befindet sich über dem Portal eine lateinische Inschrift, welche übersetzt heißt: "Es reicht nicht, den Jugendlichen mit gelehrten Büchern zu langweilen, man muss schlechte Leidenschaften bändigen und zügelloses Benehmen mit dem Zaum strenger Disziplin lenken. So wird er gut unterrichtet sein." Im Jahre 2000 wurde eine umfangreiche Sanierung des Mittelbaues einschließlich eines heiß umkämpften roten Farbanstrichs abgeschlossen. Das freistehende Aulagebäude wurde 1875 bis 1877 östlich des Mittelbaues nach Plänen des königlichen Kreisbau-Inspektors Friedrich Griesel erbaut. In diesem Gebäude waren ein Turnsaal und die Aula, deren Wände durch korinthische Pilaster geschmückt sind, untergebracht. Im Treppenhaus des zweigeschossigen Klinkerbaus befindet sich eine Gedenkstätte des Ersten Weltkrieges mit Namenstafel, einem Geländer mit schwertförmigen Stäben und einem bleiverglasten Fenster, welches mit einem Reichsadler und der (unvollständigen) Inschrift "pro patria 1914/18" versehen ist. Gestiftet wurde dieses Fenster von Fritz Rechberg und Ludwig Braun. Dieser Eingangsbereich macht den Eindruck einer in dieser Zeit beliebten Ruhmeshalle. Nördlich des Aulagebäudes befindet sich die 1925 eingeweihte und nach dem hier tätigen Turnlehrer Wilhelm Berge genannte Bergehalle. Sie wurde damals von der Vereinigung ehemaliger Klosterschüler als Freiluftturnhalle gestiftet und seit 1952 als geschlossene Turnhalle genutzt. Kurzfristig war die Bergehalle vom Abriss bedroht. Das Aulagebäude und die Bergehalle wurden 1993/1994 durchgreifend modernisiert und zu Unterrichtsräumen umgestaltet. Die Aulanutzung blieb bestehen. Wände und Decke wurden restauriert. Westlich vom Mittelbau befindet sich das am 1. Juli 1909 eingeweihte, großvolumige Schulhaus. An dessen Stelle hatten zuvor das Waisenhaus der Stadt und ein Lehrerwohnhaus mit Scheune gestanden. 
Bei der Gestaltung des mächtigen Baukörpers griff das königliche Hochbauamt auf Renaissanceformen zurück. So schmückten z.B. Voluten und Kugelbekrönungen den Ostgiebel des Nordflügels. In den Klauen des Reichsadlers mit Stadtwappen befindet sich die Datierung 1908. Die Fenster sind mit Werksteingewänden gerahmt. Im zweiten Obergeschoss des Komplexes zum Neumarkt sind auffällige Fensterarkaden zu erkennen. Hier war ursprünglich der Zeichensaal der Schule vorgesehen. Der Haupteingang des Schulgebäudes ist mit Pilastern und einem Tympanon versehen, das Giebelfeld trägt ein symbolträchtiges Relief mit Buch, Bienenkorb, Lorbeer und Eichenlaub. Das Werksteingewände dieser Türe schmücken blühende Apfelzweige und Distelblätter. Über dem Nebeneingang ist ein Relief mit Apfelbaum und dem Spruch "Inter folia fructus" - "zwischen Blättern die Frucht (oder Früchte)" - angebracht. Im Gebäude befindet sich ein Treppenhaus mit Doppelsäulen und einem dekorativen Kreuzgradgewölbe neben Jugendstilformen, zum Beispiel teils farbige Verglasungen der Fenster im Treppenhaus, Treppengeländer und Wasserbecken auf den Fluren. Eine weitere Gedenktafel im Haupttreppenhaus erinnert an die Toten des Ersten Weltkrieges. 
Der Hauptzugang zum Schulhof erfolgt über einen Torbau, welcher aus zwei Türmchen mit Glockenhauben und aus einem prächtigen Torbogen mit Dreiecksgiebel und Voluten besteht. Dieser imposante Torbogen wäre auch einer Schlossanlage würdig. Im Rahmen der Verlegung der gymnasialen Oberstufe an die Obersbergschule wurde Anfang der 70er Jahre vom Schulträger über die Planung eines Neubaus nachgedacht. Dabei wurde auch über den Abriss des sogenannten Mittelbaus diskutiert. Es war keine leichte Aufgabe, den damaligen Landrat von dieser Planung abzubringen. Der erforderliche Neubau wurde später als Bindeglied zwischen dem Mittelbau und dem südlichen Bereich des Hauptgebäudes eingefügt. Der durch das Architektenbüro Wilhelm Kirschner und Partner in Heringen geplante und errichtete Neubau wurde 1980 ein-geweiht. Der gleiche Architekt errichtete 1997 die mit einem Tonnendach versehene Turnhalle im Anschluss an den Mittelbau und das Aulagebäude. 
Nach den umfangreichen Sanierungsarbeiten im Mittelbau, im Aulagebäude und in der Bergehalle stehen ab dem Jahre 2001 die Sanierungsmaßnahmen in dem von 1909 stammenden Hauptgebäude an. Es ist zu wünschen, dass diese Sanierung in dem gleichen Geist wie bisher weitergeführt wird, nämlich dass trotz des heute erforderlichen Standards der bauliche Eindruck der Gebäude innen wie außen erhalten bleibt. 
|